Sauerstoff-Langzeittherapie

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Bei der Sauerstofftherapie wird mithilfe eines speziellen Gerätes die Einatmungsluft mit O2 angereichert. Dadurch soll eine Erhöhung der Oxygenierung bei Atemproblemen erreicht werden.

Sauerstoff (O2) ist ein chemisches Element, welches in der Umgebungsluft in bestimmter Menge vorhanden ist. In konzentrierter Form ist es allerdings als ein Medikament anzusehen und darf daher nur auf ärztliche Anordnung hin verabreicht werden.

Wegen der Explosionsgefahr erfordert der Umgang mit reinem Sauerstoff besondere Sicherheitsvorkehrungen


Inhaltsverzeichnis

Sauerstoffverabreichung

Das Ziel der Sauerstoffverabreichung ist die dosierte Anreicherung der Einatmungsluft mit Sauerstoff, um den partiellen Druck des Sauerstoffes im arteriellen Blut zu erhöhen. Daher ist es vor Therapiebeginn sinnvoll, anhand einer Blutgasanalyse die tatsächlichen Werte im Blut festzustellen und die Therapie daraufhin anzupassen. Allerdings gibt es auch Patienten, die in gewisser Weise psychisch abhängig von ständiger Sauerstoffzufuhr geworden sind und nicht darauf verzichten wollen, auch wenn kein messbarer Nutzen der Therapie feststellbar ist.

Außer in Notfällen darf nur auf ärztliche Verordnung Sauerstoff verabreicht werden. Die ärztliche Anordnung umfaßt die Verabreichungsform der Sauerstofftherapie, die Menge (in Litern pro Minute) und die Dauer der Anwendung. Die Verabreichung kann situationsbezogen (bei Belastung) oder kontinuierlich (bei chronischer Hypoxie) erfolgen. Bei vielen Patienten wird als Erstmaßnahme die Gabe von 2 Litern Sauerstoff empfohlen, was auf ärztliche Anordnung wesentlich erhöht werden kann. Die Gefahr einer Kohlendioxidnarkose mit Bewußtlosigkeit muß bedacht werden, ist aber in der Praxis äußerst selten.

Im Bereich Rettungsdienst und Sanitätsdienst ist die Gabe von 4-6 Litern Sauerstoff, im Rahmen einer Reanimation die Gabe der mit dem Druckminderer maximal möglichen Menge auch ohne ärztliche Anordnung jederzeit möglich.

Sauerstoff wird verabreicht über:


Indikationen

Angezeigt ist die O2-Therapie bei Beschwerden, die auf einem Sauerstoffmangel beruhen, so wie (akute) Atemnot in Ruhe oder bei Belastung, Schwäche, (Tages-) Müdigkeit; Zyanose. Postoperativ wird Sauerstoff eingesetzt, um eine latente Hypoxie zu vermeiden oder nach Teilentfernung von Lungengewebe.

Sauerstoffmangel kann verursacht sein durch:

  • Anämien
  • Lungenfunktionsstörungen:
  • eingeschränkte Beweglichkeit der Atemmuskulatur (z.B. aufgrund angeborener Knochendeformationen oder traumatisch bedingt durch Rippenbrüche)
  • Schock
  • Herzinsuffizienz|Herz- und Kreislaufinsuffizienz
  • venoarterieller Kurzschluß
  • Störung der Transportfunktion
  • niedriger inspiratorischer Sauerstoffdruck (Verminderung des Barometerdruckes in großer Höhe)
  • Abnahme der inspiratorischen Sauerstoffkonzentration (u.a. bei der Anästhesie)
  • Früh-und Neugeborene im Inkubator


Es liegen noch keine ausreichenden Untersuchungen vor, die einen Nutzen der O2-Gabe für Patienten mit Atemnot in der Terminalphase bestätigen. Die Einleitung bzw. Weiterführung einer Sauerstofftherapie ist aber sinnvoll bei einer bestehenden Hypoxie und wenn der Patient für sich eine subjektive Linderung seiner Dyspnoe dadurch erfährt.<ref>Aulbert et al., Lehrbuch der Palliativmedizin, 2. Auflage 2007, Schattauer Stuttgart, S. 388</ref>.

Kontraindikation

Besondere Vorsicht ist bei Patienten mit chronisch-obstruktiven Lungenerkrankungen oder ALS geboten: Die normale Atemsteuerung geschieht durch das Atemzentrum, wenn eine gewisse CO2-Konzentration im Blut erreicht ist. Chemorezeptoren in der Aorta und Arteria carotis messen ständig die CO2-Konzentration im Blut und geben die Werte an das Atemzentrum weiter. Bei den Patienten mit chronischer Ateminsuffizienz haben sich aber das Atemzentrum und die Rezeptoren an die ständig erhöhte CO2-Konzentration gewöhnt. Die Atmung wird nun über den verminderten O2-Gehalt des Blutes gesteuert. Den einzigen Atemantrieb stellt der Sauerstoffmangel im Blut dar. Wird dieser nun durch die Sauerstofftherapie behoben, entfällt der letzte Atemanreiz. Verabreicht man nun einem solchen Patienten reinen Sauerstoff, so wird der durch den O2-Mangel verursachte Atemreiz aufgehoben und es können Bewusstlosigkeit und Atemstillstand auftreten. Dies kann zu einem extremen Kohlendioxid-Anstieg und zur Atemlähmung ("CO2-Narkose") führen, die eine rasche Intubation erfordert, anderenfalls führt sie zum Tode.

Eine bestehende Langzeit-Sauerstofftherapie bei Patienten mit COPD oder ALS wird natürlich aufrechterhalten, wobei die Sauerstoff-Sättigung des Blutes zwischen 88% und 95% liegen sollte. Trübt ein solcher Patient jedoch unter Sauerstofftherapie zunehmend ein, muss sofort ein Arzt gerufen werden, der (evtl. anhand einer Blutgasanalyse) über das weitere Vorgehen entscheidet.

Pflege bei Sauerstoffgabe

  • Streng aseptisches Arbeiten vermeidet Kontamination. So sind für jeden Patienten neue Schlauchsysteme zu verwenden.
  • Vor der Sauerstoffgabe sollte der Patient seine Nase schneuzen.

Manche Angehörige oder Mitpatienten halten die Sauerstoffgabe fälschlicherweise für Beatmung und reagieren panisch, wenn sich der Patient die Sonde entfernt, da sie befürchten, der Kranke müsse dann ersticken. Daher ist es sinnvoll, schon bei Beginn einer Sauerstofftherapie auch das Umfeld des Patienten angemessen zu informieren.

Kurz vor ihrem Tod entfernen sich Sterbende oftmals selbst die Sauerstoffsonde oder -brille; dann sollte dies als Willensäußerung ("Mein Körper braucht das nicht mehr") akzeptiert und die Sonde nicht erneut eingesetzt werden.

Überwachung des Patienten unter Sauerstofftherapie

Patienten unter Sauerstofftherapie bedürfen besonderer Aufmerksamkeit. Pflegebeobachtung und -dokumentation erstrecken sich auf:

  • Atmung
  • Puls
  • Blutdruck
  • Bewußtseinslage
  • Haut (Zyanose? Druckstellen?)
  • Nasen- und Mundschleimhaut
  • Sauerstoffdosierung
  • Sondenlage
  • Menge destilliertes Wasser

Luftbefeuchtung

Sterileswasser

Da der Sauerstoff sowohl im zentralen Reservoir als auch in der Sauerstoffflasche trocken vorliegt, wird er zur Vermeidung von Schleimhautschäden (Austrocknung) üblicherweise mit destilliertem Wasser angefeuchtet (siehe Abbildung) oder es werden Einmalsysteme wie AquaPack® verwendet. Diese Kaltluftbefeuchtung ist bei der Sauerstoffapplikation allerdings nicht wirksam, erfüllt ihren Zweck nicht. Deshalb kann ohne negative Folgen für die Patientinnen und Patienten darauf verzichtet werden (erfordert evtl. andere Anschlüsse).

Folgende Argumente aus medizinischer, pflegerischer und hygienischer Sicht stützen den Verzicht der Kaltluftbefeuchtung:

  • Der Sauerstoffschlauch beschlägt sich bei der Kaltluftbefeuchtung kaum. Daraus eine effiziente Befeuchtung der Schleimhäute abzuleiten, ist fraglich.
  • Mehrjährige Erfahrungen zeigen, dass die Schleimhäute nicht mehr austrocknen, wenn auf die Kaltluftbefeuchtung verzichtet wird. Umgekehrt kann die Kaltluftbefeuchtung die Austrocknung der Schleimhäute auch nicht verhindern. Die einzige wirksame Intervention gegen das Austrocknen ist die regelmässige Applikation von Nasensalbe.
  • Aus hygienischer Sicht bestehen zwei Probleme:
    1. Rissige Schleimhaut stellt eine Eintrittspforte für Keime dar. Die Patienten, die Sauerstoff per Nasensonde, Maske oder Brille erhalten, bekommen dies meist nur über einen kurzen Zeitraum, was eine Anfeuchtung des Sauerstoffes nicht erforderlich macht. Es besteht keine Gefahr, dass die Schleimhäute austrocknen und rissig werden und somit Infektionen entstehen könnten. In Ambulanzen wird seit je her auf Kaltluftbefeuchtung verzichtet.
    2. Die Befeuchtung selbst stellt ein Keimreservoir dar. Wenn die Schleimhaut trotzdem rissig werden sollte, ist der Verzicht auf die Befeuchtung aus hygienischer Perspektive sinnvoll.
  • Bei länger dauernder Applikation von Sauerstoff in höheren Konzentrationen (über 6 l/min) empfiehlt es sich, intermittierend eine Warmluftbefeuchtung vorzunehmen (Warmluftvernebler).
  • Ab einer Dosierung von 6 l/Min. kann der Sauerstoff zusätzlich angewärmt werden, um Atemstörungen zu vermeiden

Darreichungsformen

Sauerstoffflaschen

Sauerstoffflaschen sind immer weiss (alte Flaschen: blau). Der Druck einer vollen Flasche liegt bei 150 - 200 bar. Der hohe Druck wird durch einen Druckminderer reguliert und ist an einem Manometer ablesbar.

Zentrale Versorgungsanlagen

In Krankenhäusern gibt es in den meisten Zimmern feste Sauerstoffanschlüsse, die über eine zentrale Verteileranlage versorgt werden. Da die Unterhaltung derartiger Anlagen sehr aufwändig und teuer ist, halten manche Kliniken diese Anschlüsse nur auf bestimmten Stationen vor. Große Flaschenbatterien in Zentralanlagen oder Kaltvergaser sichern den Gasvorrat. Über ein Rohrnetz wird der Sauerstoff zu sämtlichen Stationen, Operations- und Funktionsräumen mit einem Druck von mindestens 5 bar (= 500 kpa) geleitet. Durch Steckkupplungen ist das Problem des Geräteanschlusses und der Gasentnahme sauber und einfach gelöst.

Als Zubehör für feste Sauerstoffanschlüsse braucht man lediglich einen speziellen Druckminderer mit Durchflußanzeige und einen Luftbefeuchter (z.B. AquaPak).

Sauerstoff-Konzentratoren

Für den häuslichen Bereich bieten verschiedene Hersteller Sauerstoff-Konzentratoren an, die in der Anwendung zumeist unkompliziert sind. Diese Geräte "filtern" den Stickstoff aus der Raumluft und führen dem Patienten so fast reinen Sauerstoff zu. Sie sind eher für weniger mobile Patienten geeignet; zwar lassen sich die Geräte auf Rollen bewegen, sie sind aber relativ schwer und sperrig. Außerdem empfinden manche Patienten das Betriebsgeräusch als störend.

Flüssigsauerstofftank in Kombination mit tragbarem Gerät

Auch für den häuslichen Bereich, aber eher für mobile Patienten, eignet sich ein tragbares Sauerstoffgerät, das nach Gebrauch am stationären Flüssigsauerstofftank wieder befüllt werden kann. Eine Füllung des mobilen Teiles hält je nach Fabrikat und Einstellung bis zu acht Stunden Sauerstoff vor, so dass der Patient auch längere Zeit unterwegs sein kann.

Berechnungsformel für den Inhalt von Sauerstoffflaschen

(Restinhalt in Litern)

  • Flaschenvolumen in Litern x angezeigtem Druck auf dem Manometer (in bar) = Vorrat in Litern
  • Beispiel: 50 l x 150 bar = 7500 l

(Restinhalt in Zeitangabe)

  • Vorrat in Liter : Dosierung pro Minute = Vorrat in Minuten
  • Beispiel: 7500 l : 2 l = 3750 Minuten = 62 Stunden und 50 Minuten

Sicherheitsmaßnahmen beim Umgang mit Sauerstoff(-flaschen)

  • Flaschen dürfen nicht fallen! Volle Flaschen liegend oder stehend fixieren (z.B. anketten)
  • Vorsicht vor Feuer! Rauchverbot! Sauerstoff selbst ist zwar nicht brennbar, fördert aber die Verbrennung.
  • Nur in Räumen mit Fenster, nicht aber in explosionsgefährdeten Räumen oder unter Sonneneinstrahlung (Fenster) bzw. Wärmeeinwirkung (Heizung) lagern.
  • Vorsicht vor Fett! Die Ventile dürfen nicht mit Fett oder Öl in Berührung kommen (Explosionsgefahr).
  • Nur mit geschlossenem Ventil und befestigter Schutzkappe transportieren
  • Beim Öffnen der Flaschen keine Gewalt anwenden
  • Flaschen nicht im Patientenzimmer wechseln
  • Bei Störungen Technischen Dienst rufen. Keine Selbstreparatur versuchen.

siehe auch

Einzelnachweise

<references/>

Literatur

  • Campbell, E. J., Baker, M. D., & Crites-Silver, P. (1988). Subjective effects of humidification of oxygen for delivery by nasal cannula. A prospective study. Chest, 93(2), 289-293.
  • Darin, J., Broadwell, J., & MacDonell, R. (1982). An evaluation of water-vapor output from four brands of unheated, prefilled bubble humidifiers. Respiratory care, 27(1), 41-50.
  • Weber, M. W., Palmer, A., Jaffar, S., & Mulholland, E. K. (1996). Humidification of oxygen with unheated humidifiers in tropical climates. Pediatric Pulmonology, 22(2), 125-128.
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